27. August 2010 12

Letzte Warnung für Thilo Sarrazin

Von fk in Deutsch, Medien, Meinung

“Nazisprache, Rassismus, Volksverhetzung!” quakt der Chor der Korrekten beleidigt. Sobald Evil Thilo irgendwo medial aufschlägt, schreien die so genannten Meinungsführer im kollektiven Entsetzen auf wie Drittklässlerinnen bei einer Spritzpistolenattacke. Es wird gepöbelt, reflexartig abgewatscht oder dem Mann immerhin die Diskussionstauglichkeit abgesprochen. Echte Auseinandersetzung (und damit meist automatische Entkräftigung) mit seinen Thesen passiert nur am Rande. Im aktuellen ZEIT-Streitgespräch zeigt der Bundesbanker zwei nölenden Klassensprechern deutlich ihre Grenzen auf, der SPIEGEL druckt sein Buch vorab, um hinterher drauf rum zu hacken. Merkel lässt das “nicht ganz kalt“, die BILD freut sich über Schlagzeilen. Und der Agitator steht mit seinen unverschämten Parolen ganz oben auf der Agenda. Vernünftige Bürger begreifen: Es muss eine andere, eine pragmatischere Lösung für das Problem Sarrazin her.

Ich als schüchterner Pazifist wünsche mir einen starken Mann, der dem schwächlichen Brillenträger, dem diskursiv offenbar nur schwer beizukommen ist, mal so richtig den Kopf auf Linie dreht. Es bräuchte einen Abgeordneten mit Decknamen Bud Spencer (GRÜNE) oder einen anonymen Chuck Norris (CSU), der eine Politik der harten Hand gegen den Nestbeschmutzer fährt. Einen publizistischen Zorro, Rächer der Sprachlosen und Feigen, der dem “Thesenritter” (SPON) ein großes M in die Brust ritzt, auf dass er sich immer erinnert, welche Bevölkerungsgruppe er besser in Ruhe lassen sollte. Möglich wäre auch ein kollektiver Aufstand der Anständigen, ein Mob der Mittelschicht, der TS einfach mal nackt in Neukölln aussetzt, auf dass er seine germanische Überlegenheit an den männlichen Migrationsmitbürgern ausprobieren kann. Denkbar auch eine Spezialagentin minderer Rasse (IM Kopftuchmädchen), die den alten Mann verführt und ihm ein rufmordendes Kind ungeklärter Staatsbürgerschaft unterjubelt. Fotos vom Rendezvouz bei Deniz Döner könnten die Affäre boulevardesk begleiten. Und keiner müsste mehr Angst vor dem nächsten Skandal haben. Die Menschen könnten wieder beruhigt Zeitung lesen (sogar nachts und in Ostberlin), ohne dass das grauhaarige Gespenst ihnen rhetorisches Gift einträufeln könnte.

Wie auch immer unser großartiges Land diesen ärgerlichen Lautsprecher los wird, ich bin mir sicher, dass er nicht mehr lange frei sprechen darf. Ich glaube fest an das rationale Immunsystem unserer Medienöffentlichkeit, das solch einen frechen Häretiker identifiziert und ausmerzt, bevor er noch ein Interview in einer Qualitätszeitung mit seinen fiesen Sprüchen füllt. Lange genug hat er jede Plattform, die sich ihm willfährig und mit lüsternem Schielen auf Auflagenrekorde und Tagesschau-Erwähnungen bot, für seine Meinungmacht missbraucht. Lange genug hat er ausgesprochen, was viele Politiker rechts der Mitte nur leise vor sich hin murmeln. Lange genug hat er Verlage gefunden, die seine Pamphlete liebend gerne veröffentlichen, weil Schlagrichtung und Kasse stimmen. Lange genug hat er die publizistische Elite bloßgestellt mit seinen Tiraden, die sie veröffentlichen musste, obwohl sie doch lieber weiter auf dem Internet rumgehackt hätte. Jetzt heisst es: Am besten gar nicht erst ignorieren. Zurückschlagen. Den Mund tot machen.

Sarrazin, das hier ist Deine letzte Warnung. Hör auf damit, dieser Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten. Ihr gefällt nicht, was sie sieht, merkst Du das nicht? Trete zurück wie die anderen Ehrenmänner, gebe die Meinungsäußerung zu Gunsten ungefährlicherer Hobbys auf, oder wir jagen Dich mit Fackeln und Heugabeln aus unserem erlauchten Kreis braver Bürger. Du mieses Nazikommunistenschwein.

12 Kommentare zu “Letzte Warnung für Thilo Sarrazin”

  1. Peiler says:

    Mal nackig in Neukölln aussetzen könnte passieren, wenn Simon sagt:
    http://www.krass-verpeilt.de/thilo-sarrazin-jetzt-erst-recht/405

  2. [...] Sicherlich wäre es durchaus hilfreich, diese Wurst öffentlich ihrer Pelle zu entledigen. Sie stinkt nämlich gewaltig. Finden übrigens auch andere Blogger. [...]

  3. fk says:

    Und ich schon kommentiert, bei Euch beiden, danke.

  4. Ey, nichts gegen Deniz Döner, so nenn ich mal meinen Laden wenn’s mit dem Studium nichts wird ;)

  5. Thomas says:

    Fred, herzlichen Dank. Von Herzen.

    Das allerschlimmste, – man glaubt kaum, dass es noch schlimmer geht, – sind die Sprüche derer, die das auch noch gutheißen. Vor Kurzem noch hinter vorgehaltener Hand, nun aber immer lauter. Hameln ist überall und die Ratten kommen aus ihren Löchern, wenn nur laut genug gepfiffen wird. F**k it!

  6. kübra says:

    Und was mach ich dann mit dem Kind?!

  7. fk says:

    @Kübra: An die BILD verkaufen.

  8. HEROZZZZ87 says:

    wie es den nschein hat ist der ein oder andere durchaus der meinung,dass der herr s. trotz all der kritik einen wunden punkt der gesellschaft getroffen hat. wenn ichs mir genau überlege hat er sogar an einigen stellen durchaus recht.
    eine übervölkerung mangels schwacher geburtenjahrgänge innerhalb der republik ist nicht auszuschließen.
    kurzes statement eines 17 jährigen türken in berlin spandau: “ey wir ficken euch deutsche tot”
    unter anbetracht und einbeziehung solcher äußerungen und der schlechten allgemeinen politischen lage des landes sowie der schlechten zu- nd einwanderungspolitik der letzten 10 Jahre denke ich durchaus etwas anders in dieser hinsicht.
    mangelnde bildung und integrationswille unserer jungen einwandererfamilien sind ein prägendes beispiel für die nicht ganz so erfolgreiche Integationspolitik.

    Ich denke niemand kann den Immigranten seis drum aus wlchem teil dererde sie kommen oder welche hautfarbe sie haben einen vorwurf machen.
    wenn man diese einwandererfamilien erfolgreich integrieren will muss ein umdenken entstehen.
    es bringt nichts wenn junge menschen nach ihrer schulausbildung keine perspektiven und anreize haben oder bekommen um dann erfolgreich integriert in eine berufsausbildung oder arbeit einzumünden.

    desweiteren kann es nicht sein, dass immigranten keinerlei bildung in unserer land mitbringen, denn dies senkt ihren gesellschaftlich und marktwirtschaftlichen wert.
    was mach also unsere bundesregierung mit diesen damen und herren?
    sie bekommen krankenversicherungen, eingliederungshilfen, unterstützung (ALG II)sprachunterricht das alles für umsonst oder wirtschaftlich gegenleistung.

    ich bin nun gezwungen weiter zu denken, wie sieht eine vollständige interagtion aus?
    wie integriere ich menschen mit sprachbarrieren, möglicherweise mangelder bildung und ausbildung

    diese themen spricht herr s an, er beurteilt sie obejktiv als politiker
    lösungsvorschläge bleiben jedoch weitesgehend aus

    in diesem sinne

    keine angst ich kann auch großschreiben jedoch ist mir das zu anstrengend daher zivilisiert und kleingehalten wie die meinung der mehrheit des volkes

  9. Thomas says:

    @Hero-irgendwas:
    Großes Möööp. Entschudlige, was Du insb. in dem vorletzten Absatz schreibst, ist schwer überdenkenswürdig.
    (/comment off)
    Ich habe mir einige Gedanken über diesen Artikel und die Debatte im Allgemeinen über Herrn S. gemacht.
    Ließt man den den Vorabdruck im Spiegel, stelle ich fest, dass dies an eine lose Aneinanderreihung bizarrer Interpretationen ist, die, abseits ihres xenophoben Inhalts, gänzlich den Rahmen der Objektivität sprengen, zumal Herr S. sogar zugibt, Thesen und Prozentzahlen sich willkürlich ausgedacht zu haben. Hätte ich so eine Magisterarbeit geschrieben, wäre ich (hoffentlich) durchgefallen!
    Abseits davon, dass dieser ganze Mist viel mehr Publikum bekommt, als er es verdient (würde ein NPD-Fuzzi dies schreiben, was ja auch geschieht, schert sich kaum jemand darum), hat sich der gute Thilo mit seinen weiteren Thesen am Wochenende soweit von Gut und Böse verabschiedet, dass zumindest ihn gut und gerne aus der Debatte rausnehmen sollte. PR hat er nun genug. Er hat einfach nicht mehr alle an der Waffel.
    Es wäre gut, sich erstmal darauf zu einigen. Und sich dann denjenigen zuzuwenden, die konstruktiv Vordenken anstatt sich mit demagogischem, fakten-verdrehenden Wirrköpfen aufzureiben.
    Ernsthaft: Der Typ ist doch nicht mehr ganz klar (und eigentlich eine ganz arme Haut!).

  10. fk says:

    @HEROZZZ87: Dieses “er spricht halt mal die Wahrheit aus”-Argument funktioniert nur so lange, wie man ihn noch einigermaßen ernst nehmen kann. Verletzt er grundlegende Regeln eines gesunden Diskurses (bspw. Statistiken bitte nicht erfinden) oder wird zu platt populistisch, ist er raus. Dennoch und gerade dann müssten ihm seine Gegenüber in Medien&Politik diese Fehler aufzeigen und ihn in seinen inhaltlichen Punkten, die er ja zweifelsohne hat, wiederlegen.

    @Thomas: Warten wir mal ab, ich glaube nicht, dass Sarrazin verrückt oder dumm ist. Da kommt noch einiges. Und wenn endlich mal mehr Leute die Eier hätten, in eine inhaltliche Diskussion mit ihm zu treten, käme vielleicht auch was dabei raus. Wie das ginge, zeigt ausgerechnet evil Schirrmacher: http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~E1E30FB65E1E44794BFFEB5A2B73DE7EA~ATpl~Ecommon~Scontent.html

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