Die Integrationsbeauftragten des Kantons Zürich haben eine schöne Kampagne gestartet: “Sie basiert auf nützlichen Ratschlägen, wie man sich hier gut zu Recht findet. Ähnlich dem Bekannten, der einem auf Reisen abseits von Touristenpfaden in der Ferne sagt, was man tun und lassen sollte, damit man viel Schönes und wenig Ärger erlebt. Die Ratschläge können aber auch als Regeln interpretiert werden, und zwar als ganz alltägliche. Und sie betreffen bei Weitem nicht nur Migrantinnen und Migranten, sondern letztlich uns alle.”
Wie nötig wäre solch eine Kampagne auch in Deutschland! Denn Hinweise zu Umgangsformen und grundlegende Regeln for a successful living könnten unserer Gesellschaft nur gut tun. Meine spontanen Vorschläge für ein besseres Miteinander:
- Bitte, Danke, Entschuldigung.
- Dabei ein bisschen lächeln und sich selbst generell nicht so wichtig und ernst nehmen.
- Sich ab und zu waschen, und zwar überall. Saubere Klamotten anziehen, die nicht hauptsächlich aus fehlendem Stoff bestehen oder vier Nummern zu klein sind.
- Erst fragen. Dann nachdenken. Dann eventuell nochmal fragen. Dann einen Verbesserungsvorschlag in einen deutschen Hauptsatz formulieren. Dann erst meckern/belehren/unfreundlich werden.
- Apropos, Stichwort Reden: Nicht zu allem und jedem lautstark die eigene Meinung rausposaunen. Möglichst selten Klischees, Vorurteile und Ressentiments in inbrünstige Glaubenssätze verpacken. Stattdessen mal öfter: “Ich weiß es nicht.” bzw. “Kann ich jetzt nichts qualifiziertes dazu sagen.” Und vor allem: Langweiliges Geschwafel über Alltäglichkeiten nicht zu Riesenstorys aufblasen und lautstark durch öffentliche Supermärkte schreien: “Krass, ich hab echt gaaaaaar nix mehr zu essen zu Hause, mein Kühlschrank kriegt schon Depressionen, total verrückt, ich komm aber auch nieeeee zum einkaufen und für mich alleine koch ich ja auch nicht.”
- Wenn der Kopf leer ist: Fresse zu. Wenn er zu voll ist, ebenso.
- Bei extremer Mißstimmung (berechtigt oder unberechtigt), Gewaltbereitschaft, exzessivem Weltschmerz oder Drogenkonsum zu Hause und/oder unter Gleichgestimmten bleiben. Abreagieren. Ausschlafen. Neustart.
- In den Spiegel schauen. Sich klarmachen: Das ist der Anblick, den ich anderen Leuten zumute. Verbesserungspotenziale mit geschultem Personal (Friseur, Psychiater, Busfahrer) diskutieren. Bei modischer Unsicherheit im Zweifel gedeckte Farben vorziehen. Gegebenenfalls den Partner fokussieren. Kleidung einprägen. Dann was anderes anziehen.
- Locker-flockige Wendungen, Wortwitze und Verballhornungen auf ihre soziale Verträglichkeit hin überprüfen und im Zweifelsfall aus dem Vokabular streichen. Glückwünsche wie “Alles Gute zum Purzeltag, lass dich ordentlich feiern!” oder Verabschiedungsformeln wie “Bis Denver” sowie alle Arten von Komikerimitationen und -zitate sind inakzeptabel.
- Ehrlich sein. So einfach, so schwer. Aber hier zählt auch der Versuch.
Damit wäre die Welt schon ein besserer Ort. Und wer wiederholt Streit anfängt, optisch offensive Outfits trägt, stinkt, fremde Menschen mit seinem paranoiden Weltbild belehrt oder grundsätzlich öffentlich dumm ist, muss Strafe zahlen. Benimmseminare belegen. Kriegt die problematischen Körperöffnungen zugepappt. Wird mit den anderen Verhaltensauffälligen auf einem Boot nach Nordpol geschickt. Oder in die Schweiz.
Denn dort klappt´s vielleicht schon bald besser mit dem Umgang. Die entsprechenden Motive sind schonmal ganz süß und das geschriebene (vereinfachte) Schwyzerdütsch (Schwyzerdytsch?) sieht noch lustiger aus, als es sich anhören würde:







Leider lesen die Regeln hier viel zu wenig Menschen :(
Trotzdem Däumchen Hoch :)
Danke. Man muss eben erstmal mit gutem Beispiel vorangehen und hoffen, dass die Regeln ansteckend sind. Ein erster Schritt ist getan, jetzt müssen wir sie nur noch massenweise verbreiten.
Bei dir darf man ja ganz Mensch sein! Für optische/akustische Delikatessen wie Alexander Marcus und dergleichen bleibt da allerdings nicht viel Raum ;)
[...] “Wie nötig wäre solch eine Kampagne auch in Deutschland! Denn Hinweise zu Umgangsformen und grundlegende Regeln for a successful living könnten unserer Gesellschaft nur gut tun.” (Zitat alright, okee!) [...]
Wie sagte Hank Moody so schön: Would you fuck yourself goofy in the privacy of your own home?
Man kann ja pervertieren und ausarten, aber bitte nicht zu öffentlich, oder?
Moody zitieren ist ungefähr so, wie Panzerfaust bei Schere-Stein-Papier auspacken – aber meinetwegen:
It’d be nice if I could fellate myself while farting the White album, but I haven’t quite mastered that yet.
Bissl bunt darf’s schon sein, finde ich.
Also ich als Wahlschweizer finde die Kamapgne insgesamt schon allright okee. Wichtig ist es, diese freundliche Integrationsaktion im Zusammenhang mit extrem ausländerfeindlichen Parolen und Aktivitäten der Schweizer Partei SVP zu sehen. Die SVP würde nämlich gern die bilateralen Abkommen mit der EU beenden und die Schotten dicht machen.
Die alte “das Boot ist voll” Geschichte. Dann lass ich mir doch lieber erklären, wie ich Brötchen bestellen soll!
Die Umgangsformen zu lernen… Damit bin ich nicht total einverstanden. Wenn man schon versucht hat, eine Fremdsprache zu lernen, dann würde man bemerken, wie schwer ist fremdsprachige, Umgangsformen zu internalizieren. Eine Sprache zu lernen bedeutet deine ganze Persönalichkeit zu rekonstruiren und diese Prozess ist auf keinen Fall schmerzlos. Integration ist gleichzeitig Desintegration.
Meiner Meinung nach ist “Integration” das falsche Wort. könnten wir die feministen gratulieren, weil die Frauen sich in der männliche Welt integriert haben? gegenseitiger Respekt und Chancengleichheit statt Integration. Die Möglichkeit unsere Argumente in verschiedene Sprachen verteidigen zu können.
Word, Rodolfo.