3. November 2010 5

Monologisch: Mein letztes Semester

Von in Monologisch

Voll die Frechheit! Ich sitze da in der mündlichen Prüfung, bin eh schon total nervös, also jetzt nicht krass nervös, aber ein bisschen Bammel hat man ja schon, und dann kommt der Professor einfach nicht! Ich meine: Hallo? Ist ja nur meine mündliche Prüfung oder wie? Lässt der jeden Studenten einfach so sitzen? Eine ganze Viertelstunde musste ich warten! Ich war stinksauer!

Überhaupt, ich bin voll froh wenn ich hier endlich fertig bin. Noch ein Semester länger der Massenuni Geld in den Rachen werfen sehe ich echt nicht ein. Tausendvierhundert Mark, umgerechnet, und für was? Man wird als Student sowieso schlecht behandelt, keiner kümmert sich um einen, keiner hat einen Plan, alles muss man sich selber zusammenorganisieren. Der Lutz, also der Professor neulich, ich nenn den ja nur noch Lutz, seit wir uns bei meiner Prüfung doch noch so entspannt unterhalten haben, der fragt mich am Ende einfach: Welche Note wollen Sie denn haben? Ich fand´s voll witzig, ich hab natürlich gesagt, so eine Eins vor dem Komma wäre schon was. Bin ja mal gespannt, dem ist halt auch alles egal, auf jeden Fall: Der Lutz hat sich auch um nichts gekümmert. Ich hab den voll oft angesprochen und ihm meine Literaturliste gegeben und die fand er zu lang, hallo? Zu lang? Eine Literaturliste zu lang? Hab ich die ganze Arbeit jetzt umsonst gemacht oder was?

Bei meiner Masterarbeit gehe ich es jetzt schlauer an, ich mache schon nebenher die Literaturrecherche und gebe dann schnellstmöglich ab. Interessiert sich danach eh keiner mehr dafür. Also ich zumindest nicht, und danach gefragt hat mich noch niemand. Meine Devise ist: Hauptsache durchkommen durch den theoretischen Teil. An der Uni gibt sowieso viel zu wenig Praxisbezug. Ich frage mich echt, wofür ich das alles eigentlich gemacht habe, von wegen Bachelor- und Masterstudiengänge und mehr Ausrichtung auf einen Beruf und so. Nachher beim Arbeiten braucht man ganz andere Sachen, da fragt keiner mehr nach Deinem Masterarbeitsthema, in der Wirtschaft muss man dann richtig was leisten, das wird nicht so easy wie an der Uni.

Apropos: Hast Du eigentlich schon einen Job? Also ich bin jetzt noch studentisch beschäftigt, öffentlich-rechtlich, das ist schon eine gute Adresse. Ich glaube auch, ich bekomme da was. Einen Fuß habe ich schon in der Tür, oder eher so ein ganzes Bein. Weil ich voll gut mit den Kollegen auskomme, da sind auch alle echt nett und lassen mich auch mal was eigenes machen. Ich fühl mich wohl in der Redaktion, das kann man sagen, und die Redaktion sich mit mir, das haben die mir schon signalisiert, auch wenn die Zeit grade schwierig ist, im Grunde würden sie mich gerne behalten. Aber ernsthaft, Fernsehen wäre schon so mein Ding, ist auch gar nicht so schwer da was zu kriegen, weil: Alle wollen zum Print. Echt jetzt, Print ist momentan voll der Trend, also ist mehr Platz beim Fernsehen. Von Internet habe ich zu wenig Ahnung, Radio finde ich langweilig, aber Fernsehen, naja, irgendwie kann das ja jeder, da muss man jetzt nichts spezielles gelernt haben.

Das Studium bringt mir jedenfalls nichts, ich bin nur froh, wenn es rum ist. Voll sinnlos, aber irgendwie auch egal. Das ist mein letztes Semester, da reg ich mich nicht mehr auf.

5 Kommentare zu “Monologisch: Mein letztes Semester

  1. jeannine says:

    Ich hab gelacht, erst leise, dann etwas lauter. Und, ja- das fällt einem bestimmt wesentlich leichter, wenn man sich damit nicht jeden Tag rumschlägt. Aber hey, es ist doch das letze Semester.. da würd ich mich nicht mehr aufregen…

  2. Addliss says:

    Hey Fred, ich bin grad durch den MC Winkel auf dich gestoßen und abonniere dein Blog jetzt im Feed.

    Aber was du hier zusammenhaust, sind ganz schön viele verschiedene Dinge (bin selbst Master-Student):

    1. “In der Uni ist alles easy und im Beruf muss man richtig reinhauen.”
    Es sind einfach grundverschiedene Dinge. Ich weiß nicht, wie eure Studiengänge aufgebaut sind, hört sich nach NS an (Hannover oder Hildesheim – da gibts doch Studiengebühren von 700 EUR, oder?), aber ich muss hier ganz schön reinhauen, dass ich mein Studium schaffe. Nebenbei arbeiten ist keine Kleinigkeit, sondern muss streng zeitlich eingeteilt werden. Außerdem gibt es auch im Job durchaus Möglichkeiten, “entspannt” zu arbeiten.

    2. “Es kümmert sich keiner um einen.”
    Ich könnte jetzt schreiben: Heul’ doch! Mach ich aber nicht. Andererseits ist ein Studium nunmal keine Ausbildung und keine Schule. Ein Student an der Uni ist jemand, der seine Ausbildung großenteils selbst organisiert. Seine hohe Bildung kommt daher, dass er sich mit den Themen und mit der Organisation beschäftigt.
    Dennoch muss ich dir Recht geben, dass alles unorganisiert läuft seit der Einführung der Bachelor- und Master-Studiengänge. Das könnte besser sein, gerade von den Dozenten, die die Studienordnungen mitentwickelt haben. Allerdings hängt das mit Punkt 3 und 4 zusammen.

    3. “Ich zahle viel Geld und profitiere nicht davon.”
    Die Studiengebühren sind eine Idee von bestimmten Politikern und Universitätsrektoren. Da die Leute sich bücken, um nach oben zu kommen (s. dein späterer Beitrag zu Schäuble), nicken andere Leute es ab. Ich kenne viele Dozenten, die gegen Studiengebühren sind, da das ihnen auch gute Studenten entziehen kann und da sie es ungerecht finden.
    (Mein Meinungsbild seitens der Dozenten mag aber natürlich ein statistisches Zerrbild darstellen.)

    4. “Von wegen Berufsbezogenheit der Studiengänge.”
    Auch hier: Die Berufsbezogenheit der Studiengänge wurde von Politikern beschlossen und viele Dozenten sind einfach nicht darauf eingestellt. Jahre- und jahrzehntelang haben sie universitär gelehrt, d.h. NICHT berufsbezogen. Es sollten wissenschaftliche Kenntnisse, Methoden und anderes vermittelt werden, aber kein spezielles Berufsbild. Ein Studium sollte dazu befähigen, sich bestimmte Berufe in höheren Positionen einarbeiten zu können – und nicht einen Beruf zu erlernen.
    Daher ist die Umstellung und auch der Spagat für Lehrende nicht einfach. Einerseits sollen sie wissenschaftlich lehren, aber andererseits auch berufsbezogen. Ein Studium ist gar nicht lang genug, dass man für jeden Studenten gleiche Inhalte anbieten kann, denn die Dozenten dürfen ja auch nicht ständig gleiche Kurse anbieten (Vorschriften…).

    5. “Print ist ja total in.”
    Ich kenne witzigerweise fast nur Leute, die gern zum Fernsehen wollen. Print will kaum einer mehr, “weil das ja ausstirbt”. :)

  3. Addliss says:

    Ups, etwas lang geworden. Next time mache ich einen eigenen Blogeintrag bei mir draus und setze einen Backlink. :)

  4. fk says:

    Hey Adliss, zuerst einmal: Schön, dass Du Dich mit meinem Geschriebenen auseinandersetzt und Dir das auch genug gefällt, dass Du abonnierst.

    Zu diesem speziellen Beitrag muss ich aber gleich anmerken, dass er leicht missverstanden werden kann. Der Text entspricht an keiner Stelle meiner Meinung, sondern ist quasi eine Aufzeichnung dessen, was ich so von anderen Menschen aufschnappe. Dabei stehe ich solchen Monologen eher kritisch bzw. ironisch gegenüber, weil ich das eher anders (und wiederum nicht so anders als Du) sehe.

    Hier sind die anderen Monologe, die diese Absicht vielleicht etwas klarer ausdrücken: http://alrightokee.de/category/monologisch/

    Sprich: Ist nicht ernst gemeint, sondern aufgeschrieben, um zum Nachdenken anzuregen. Insofern freue ich mich über Deinen ausführlichen Kommentar umso mehr!

  5. Addliss says:

    Ich muss ehrlich gestehen, dass ich nach deinen vorigen Einträgen, die ich so gelesen hatte, auch zwischendurch gezweifelt habe, ob du das hier ernst meinst oder nicht. Insofern freue ich mich, dass wir uns wenigstens einig sind, dass die Sache nicht wie dort oben ausgeführt werden sollte. Danke. ;)

    (Die anderen Beiträge werde ich mir mal reinziehen.)

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