18. Januar 2011 23

Paul Kalkbrenner spielt für Bundeswehr in Afghanistan

Von in Meinung, Musik

Techno ist heute immer öfter Pop. Paul Kalkbrenner ist mit seiner großen Hallentournee plus zugehöriger DVD ein oft zitiertes, äußerst erfolgreiches Beispiel dafür. Denn wie kaum ein anderer deutscher Künstler wird er momentan global gefeiert. Nun ist der Berliner – man erinnere sich an Marylin Monroe oder zuletzt Sarah Connor - in die Frontunterhaltung eingestiegen. So kurios es klingt: Paul Kalkbrenner hat in Afghanistan vor deutschen Bundeswehrsoldaten einen Gig gespielt.

Interessant dabei ist, dass er in dem kurzen Beitrag “das Gerede um den Einsatz” in einem Nebensatz abtut und weder sein Label noch die Bundeswehr bis jetzt eine separate Pressemeldung bzw., wie bei Kollegin Sarah Connor, ordentliche Boulevard-Berichterstattung lanciert hat. Anscheinend hat der zu erwartende Gegenwind sein keineswegs maulfaules Management dazu gebracht, die Sache ob der politischen Fragwürdigkeit auf kleiner Flamme zu kochen. Wahrscheinlich sind sich alle Parteien nicht sicher, ob man den Auftritt besser unter den Teppich oder medial heraus kehren sollte. Bisher berichtet jedenfalls nur Bundeswehr TV in obigem Video, welches wiederum von offizieller Seite nur beim Deutschen Marinebund auftaucht. Die ersten Reaktionen in Kommentaren und Blogs schwanken zwischen verheerend und verständnisvoll.

Nun ist Pop schon immer instrumentalisiert worden, haben Popstars (schon immer und per definitionem) eher auf die Vermehrung ihres Bekanntheits- und Wirkungsgrades als auf ihre künstlerische Entwicklung und Integrität geschaut. Und Techno war noch nie eine explizit politische (Sub-)Kultur, schon gar nicht in ihrer massentauglichen Auslegung. Wie Kalkbrenner aber vor der Kamera nicht ein Mindestmaß an kritischer Reflektion zeigt, stattdessen nur als “Botschaft” überhöhte Plattitüden auslegt, tut schon ein bisschen weh. Bisher dachte man als Techno-Liebhaber immer, die Musik und der DJ und der Bass und die Beats könnten, auf Grund einer gewissen Sperrigkeit, auf Grund des speziellen musikalischen Zuschnittes, nicht für solche Zwecke mißbraucht werden. Man hoffte, der Club sei als Kulturschutzgebiet gegen Trittbrettfahrer abgeschottet. Und wenn, dann hätten sich die Protagonisten das genau überlegt, könnten abwägen und ablehnen. Sich und den Techno zur Not raushalten.

Paul Kalkbrenner ist jedoch Handelsreisender eines Sounds, der heute als musikalische Allzweckwaffe ebenso Abi-Partys wie Bundeswehrcamps beschallen kann. Techno ist Pop, und Pop zieht überall hin. Auch in den Krieg.

23 Kommentare zu “Paul Kalkbrenner spielt für Bundeswehr in Afghanistan”

  1. Marc says:

    Guter Beitrag. – Ich bin zwiegespalten. Hat sich Pauk Kalkbrenner durch den Gig instrumentalisieren lassen oder hat er einfach nur vor Soldaten am Hindukusch aufgelegt?

    Auf jeden Fall finde ich es gut, dass die Sache bisher auf kleiner Flamme gekocht wurde.

  2. fk says:

    Ich finde die Beliebigkeit, mit der Kalkbrenner da scheinbar rangeht, halt bemerkenswert und symptomatisch für eine Pop-Einstellung. Ein Künstler würde mindestens sagen: Ich unterstütze diesen Einsatz der Bundeswehr, also unterstütze ich die Soldaten mit meinem Zeug. Oder: Ich finde den Einsatz nicht gut, will die Soldaten aber trotzdem unterstützen. Oder: ich bin unpolitisch in meiner Kunst, also mache ich, worauf ich Lust habe.

    Ein Popstar sagt erstmal gar nichts, und wenn, dann: Ist doch egal, lass uns ein bisschen Spaß haben und sicher nach Hause kommen.

  3. henteaser says:

    Seit wann ist denn Techno sperrig? Doch spätestens nicht mehr, seit jeder Sportsender-Einspieler mit Prodigy unterlegt wurde; also seit Mitte der Neunziger. Die Zielgruppe stimmt altersmäßig und es ist aussagelose Beschallung mit Gutelauneleude-Garantie. Nun ja, wenigstens kommen die Soldaten so mal weg von ihren Spielkonsolen.

  4. Konrad says:

    Kann es nicht sein, dass Kalkbrenner einfach nur ernsthaft die Soldaten unterstützen wollte? Ihnen ein bisschen Ablenkung vom lebensgefährlichen Alltag am Hindukusch. Und anders als Sarah Connor PR weder nötig hat noch will? Muss man ihn da gleich mit verbalem Dreck bewerfen?

  5. fk says:

    @henteaser: Ja, leider, irgendwie aussagelose Beschallung. Vor ein paar Jahren wäre Kalkbrenners Sound, mal so als Beispiel, in der Tat zu sperrig gewesen für eine nette kleine durchschnittliche Party junger Menschen. Da hat sich wirklich was bewegt. Ob es gefällt oder nicht.

    @Konrad: Klar, das wollte er. Und wenn er die PR nicht nötig hat, auch gut. Er kann ja auch machen was er will, aber ein bisschen reflektieren, dass so ein Auftritt im Krieg auch eine politische Dimension hat, ist nicht zu viel verlangt, oder? Verbalen Dreck sehe ich jedenfalls nicht, oder wo ist der?

  6. Olaf says:

    “Ihnen ein bisschen Ablenkung vom lebensgefährlichen Alltag am Hindukusch”
    Das passt doch nicht, wenn es lebensgefährlich ist, ist Ablenkung doch gefährlich!
    Sicherer wäre es da doch die Soldat_innen abzuziehen.
    Noch ist es in Deutschland nicht lebensgefährlich in Sachen RPG, Sprengfallen und Attentaten.

  7. fk says:

    @Olaf: Die Knicklichter waren auf jeden Fall gefährlich. Sehr gefährlich.

  8. Tobsn says:

    Lebensgefährlicher Einsatz…so lebensgefährlich dass man eben mal ne schicke Technoparty feiern kann… Die Produktionen von Paule möchte ich als DJ ja nicht in Frage stellen. Aber nen Gig, ne PARTY im Krisengebiet?? Na das is´n Krieg wa!!! Damit würde ich auch keine PR machen, selbst wenn Paule auf die Gage verzichtet haben soll.
    Fazit: Eine deutsche Technoparty am Hindukusch für die Bundeswehr im Krieg…schon pervers.Und wir wundern uns, dass wir in Deutschland auch langsam Bomben unterm “Hintern” gelegt bekommen (solln)…

  9. Christian says:

    ..vielleicht wurde der gute Paule ja mit ‘ner größeren Menge ‘Muntermacher’ erwischt und irgend ein Drogendezernat-Mitarbeiter, der gute Beziehungen zu Militär hat und/oder dessen Sohn/Tochter gerade in Afghanistan ist, hat ihn vor die Wahl gestellt: Schwedische Gardinen oder afghanische Gebirge!

  10. Auch im Techno steckt (leider) kein guter Kern. Jeder kann es benutzen. Wofür? Das hängt von der Absicht ab ;-)

  11. frank says:

    Worauf willst du denn jetzt eigentlich hinaus? Einerseits findest du es komisch, dass Paule mit dem Auftritt keine Werbung macht. Andererseits schreibst du: “Nun ist Pop schon immer instrumentalisiert worden, haben Popstars (schon immer und per definitionem) eher auf die Vermehrung ihres Bekanntheits- und Wirkungsgrades als auf ihre künstlerische Entwicklung und Integrität geschaut.” Nun ist hier ja ganz offensichtlich, dass PK hier genau NICHT seinen Bekanntheitsgrad steigern will. Und was sollte sich besser eignen als die vermutlich unpolitischte aller Musikrichtungen. Was du selbst erkennst. Aber von deren Protagonisten trotzdem ein Statement (vermutlich gegen den Krieg) erwartest. Du findest Platitüden bei PK irgendwie doof, schreibst aber selbst “Paul Kalkbrenner ist jedoch Handelsreisender eines Sounds, der heute als musikalische Allzweckwaffe ebenso Abi-Partys wie Bundeswehrcamps beschallen kann. Techno ist Pop, und Pop zieht überall hin. Auch in den Krieg.” – eine dümmliche Floskelansammlung, die ihresgleichen sucht. Viel Text, der etwas ausdrücken soll, was du aber nicht begründen kannst. Mal ehrlich: Findest du das nicht etwas arg armselig, um es zu veröffentlichen? Floskel, Nicht-Thesen, Nicht-Wissen, Nicht-Argumente?

  12. fk says:

    @Christian: So könnte es gewesen sein.

    @frank: Nein.

  13. KULA says:

    Techno? Benutzen? Instrumentalisieren?

    Es geht ganz einfach um Frauen und Männer, die Dienst schieben in einem Land, wo hinter jedem Hügel ein Scharfschütze lauern kann, der dir das Hirn wegbläst. Tag für Tag mit diesem Gefühl zu leben und damit seinen Tag zu beginnen – ist nicht schön.

    Was für eine Abwechslung muss da ein Auftritt von Kalkbrenner sein? Das können wir uns gar nicht vorstellen, oder?
    Wir hier in der westlichen Welt, wo schon heute Phil Collins spielt und morgen Metallica.

    Der Kalkbrenner hat sich bestimmt das ganze gut überlegt. Und es war die richtige Entscheidung in Afghanistan zu spielen!

  14. lala says:

    hahaha

    diese dumme hackfresse bei den anderen noch dümmeren hackfressen

    wo verdammt war die taliban wenn man sie mal braucht

    ganz ehrlich und ohne spass…was für ein dummer scheiss!

  15. Dingeling says:

    Lol, wenn ich hier lese dass es ja nicht so gefährlich sein kannw enn man da ne Party schmeißen kann muss ich echt den Kopf schütteln.

    Natürlich ist die Arbeit da unten gefährlich. Eben die tägliche Arbeit, mit den Menschen dort. Wo es jederzeit passieren kann dass so ein Irrer sich irgendwo in die Luft jagt.
    Natürlich ist der Stützpunkt soweit sicher. Deshalb kann man dort danna uch so eine Veranstaltung machen. Zumal da trotzdem noch ein paar Männer Wache schieben.

  16. Frieder Karlo says:

    Fluffige Reportage! Der Sachse reißt’s raus! Und was sind das für schicke Halstücher? Wenn das der Dieter Graumann sieht…

  17. Geh du doch nach Afgh says:

    Hallo?
    Ist doch nett das er dahin geht, ihr seid nur halt nicht die Soldaten die das erleben durften die endlich mal Abwechslung kriegen.

    Immer was zu kotzen, als ob er sich durch einen Auftritt vor UNSEREN Soldaten zu nem Pop idol machen lässt. Gerade das der Auftritt nicht von seinem Marketing benutzt wurde bedeutet doch das er es ehrlich meint!!

  18. Torsten says:

    Unfassbar! Wie kann er das machen, der Staatsmacht in den Arsch zu krichen?. Er hat seine Seele verkauft und alles in den Dreck gezogen wofür Techno steht, was die Scene ausmacht…

  19. jo says:

    hinter großem talent steht anscheinend nicht immer große intelligenz oder er hat sich einfach das hirn weggehaun

  20. techno im ausverkauf says:

    Kriegerstreiber No.1

    Versteht ihr denn garnichts!
    Unsere Superelite brauchte doch eine Motivation zum Morden
    und da nunmal schlechte Musik auch gut dafuer ist ,war er der beste dazu.
    Stelle man sich mal vor man hasst die Musik und denkt jeder taliban waere ein PK dann waere in 5min. da unten Frieden!!!! Geil was!
    Wer sowas gut heisst der kann sich gleich bei mir nen Bombenguertel abholen und
    Arm in Arm mit Kalkbremse in den Sonnenuntergang zerteilen.
    euer T. aus P. an der U.

  21. Musikbefürworter/Kriegsgegner says:

    Ihr seid doch alle verrückt. Natürlich ist der Einsatz der Bundeswehr am Hindukusch falsch. Dort unten verteidigt niemand niemanden, wir sind alle nur da weil die Amis Kohle also Öl und andere Güter geschnüffelt haben. Aber was bitte ist daran so falsch, Soldaten die jeden Tag um ihr Leben fürchten müssen ein wenig Unterhaltung zu bieten?
    Kenne selber Jungs die unten waren und die haben mir erzählt, dass die da NICHTS zu tun haben während ihrer Freizeit, ausser Filme gucken oder Sport treiben. Da ist es doch das wenigste was wir und Paul tuen können, Menschen die jeden Tag mit Tod und Leid konfrontiert werden, vernünftige Deutsche Musik zu bieten.

  22. wardabei says:

    Sehr sehr schade, dass hier blinde über Farben diskutieren und den Artikel verfassen! Der Paule hat nicht nur nix dafür bekommen, er hat sogar einiges löhnen müssen, für die Beschallungsanlage beispielweise. Dies hat er definitiv aus freien Stücken von sich aus getan! Und wenn ihr mir eines glauben könnt, tut es sehr gut, dass es Personen gibt, die Soldaten im Krieg ein paar gute Momente schenken, egal was sie davon halten, ob es richtig ist, dass unsere Soldaten dort sind oder auch nicht! Man glaubt es kaum, aber es gibt auch Menschen unter uns, denen reicht als persönlichen Benefit, anderen etwas Gutes zu tun.

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